Die Pandemie und die Infektionsschutzmaßnahmen wie die Kontaktbeschränkungen werden von Betroffenen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexuellen Missbrauch erfuhren, sehr unterschiedlich erlebt und beurteilt. Hier zeigen sich kaum Unterschiede zur gesamten Bevölkerung in Deutschland. Doch ebenso deutlich wird, dass die Pandemie und die Schutzmaßnahmen von vielen Betroffenen vor dem Hintergrund ihrer Gewalterfahrungen erlebt werden. Insbesondere das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum hat gegensätzliche Reaktionen und Haltungen hervorgerufen. Ein Teil der Befragten lehnte diese Maßnahme strikt ab, weil das Tragen der Schutzmasken beispielsweise Panikattacken hervorrief. Ein anderer Teil begrüßte den Mund-Nasen-Schutz mit der Begründung, dass er ihnen Sicherheit vermittele. Ein großes Problem stellt für viele Betroffene der Wegfall von unterstützenden Maßnahmen dar sowie das Durchführen von Traumatherapie unter den geltenden Hygieneregeln, beispielsweise als Videosprechstunde statt im persönlichen Kontakt. Auch das Finden eines geeigneten Therapieplatzes wird als noch schwieriger eingeschätzt als es bereits vor der Pandemie der Fall war.  

Menschen, die sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend erleben mussten, haben trotz der Gewalterfahrungen und zum Teil starker Traumatisierungen Lebensstärken entwickelt, die es ihnen ermöglichen, ihr Leben zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, ihren Alltag zu bewältigen, Unterstützung zu suchen und zu finden. Diese Stärken können in einer gesellschaftlichen Krise wie der Corona-Pandemie gefährdet sein oder aber mit voller Kraft entfaltet werden. 

Das sind einige der Ergebnisse einer Online-Befragung, die die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs vom 9. Juni bis zum 5. Juli 2020 unter Betroffenen sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend zur Corona-Pandemie durchführte. 823 Personen nahmen daran teil. Der Schwerpunkt der Befragung lag darauf, wie die Corona-Pandemie in der Zeit der Kontaktbeschränkungen von Betroffenen erlebt wurde. Die ersten Ergebnisse wurden im November 2020 veröffentlicht, eine zweite Auswertung der Online-Befragung folgte im März 2021. Dafür wertet die Kommission die umfangreichen Kommentare aus, die über 400 Personen in den Fragebögen mitgeteilt haben. Sie ermöglichen einen vertiefenden Einblick in das Erleben und eröffnen weitere Perspektiven zur Unterstützung betroffener Menschen.

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